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Gründung der Narren vom Nordpol

Otto Seiler gründet im Jahre 1982 die Narrengemeinschaft Nordpol - kurz danach umbenannt und inzwischen bekannt als die Narren vom Nordpol. Am 24. Januar 1983 wird erstmals das Präsidium gewählt:

Otto Seiler (Präsident), Sepp Meister (Stellvertreter), Martin Baumann (Schatzmeister), Klaus Meier (für besondere Aufgaben), Roswitha Ecker (Schriftführerin).

Die Narren vom Nordpol wollten sich diesmal am Sternmarsch in Bühl am 9.2.1983 beteiligen. damit recht viele daran teilnahmen, wurden Flugblätter gedruckt und verteilt.

Otto Seiler stellte bei diesem Zusammentreffen den ersten Orden vor, der zugleich an alle Mitglieder des Präsidiums verteilt wurde. Der Schlachtruf "Nordpol Ahoi" wurde bestimmt. Für 1984 wird eine Kappensitzung geplant, hierzu wollten sie nach Rücksprache mit dem Wirt des Gasthaus Schützen reservieren.

(Quelle: Protokoll vom 25.1.1983, erstellt von Roswitha Ecker)

Die erste Nordpolsitzung fand statt, nachzulesen in der Presse (Bühlot-Kurier vom 3. März 1984) "Erquickendes Dampfbad der Narretei. Am Nordpol fror keiner. Ich weiß von nix, aber g'schwätzt wird viel." Von jetzt an fand jedes Jahr eine Nordpolsitzung statt, mit einer Ausnahme im Jahre 1991 aufgrund der damaligen weltpolitischen Lage.

Das Aussehen der Komiteemitglieder wurde bestimmt: Schwarze Hosen, schwarzes Hemd, rote Fliege, weißer Sakko und weiße Pelzmütze.

Im Jahre 1993 wurde 11jähriges Bestehen von den Narren vom Nordpol gefeiert, im Jahre 1998 wurde 60 Jahre Nordpol gefeiert. Wie funktioniert das?

"Schon 1993 bei der Feier des ersten närrischen Jubiläums, 11 Jahre Nordpol, hatte Otto Seiler in aller Bescheidenheit behauptet, der "Nordpol" sei wesentlich älter. Erzählungen betagter Bühl legten dies nahe. Seinen Bruder Hermann stiftete er an, im Archiv des in den 30er Jahren in Bühl erscheinenden "Mittelbadischen Boten" nachzuforschen. Dieser erhielt durch Narrhalla-Zunftmeister Hans-Peter Maisch technische Schützenhilfe, der auch die Bände im Stadtgeschichtlichem Institut durchkämmte.

Die Suche war vom Erfolg gekrönt, in einer Anzeige vom 24.2.1938 lasen sie: Am Nordpol ist was los! Alle Närrinnen und Narren treffen sich heute abend im Gasthaus zum Kreuz, Bühl."

Anzeige vom 24.2.1938 im Mittelbadischen Boten

Quelle: BNN, 1998

Bühler Narrenspiegel Jahrgang 1955, Seite 2

Auszug aus dem Amtsblatt seiner Tollität des Prinzen Karneval, Jahrgang 1955, Nummer 1, aus dem Bühler Narrenspiegel.

Er wurde uns am 23.1.2016 überreicht von Hans-Peter Maisch, vielen Dank.

Hier sendet der Nordpol

Unter dem Bühler Nordpol versteht man das Gebiet um das Gasthaus zum "Kreuz", wo die Polbewohner auch ihren fastnächtlichen Amtssitz haben. Sie sind wie echte Polaristen nicht nur geographisch auf der Landkarte ganz oben, sondern auch durch andere Umstände bilden sie eine Sorte Leute, auf welche andere mit ein bissl Ehrfurcht schielen. In ihrem Bezirk sind hohe Stellen zuhause. Vor allem eine, wo ein Rätekreis den gesamten Umkreis darüber beratet, wie das Geld ausgegeben werden muß, das den Eingekreisten durch das Finanzamt zuviel abgenommen wurde.

Das ist zwar eine hohe Stelle. Aber das ist auch noch nicht alles. Dort ist auch noch ein Haus, in dem nach dem Rezept einer feinen Dame, die sich "Justi-Zia" nennt, das Recht auf einer Briefwaage haargenau abgewogen und an Bedürftige verschenkt wird. Von den Gebühren ist hier nicht die Rede. Aber im Hinterhof ist für solche Gäste, denen eine heilsame Lutveränderung nach Bühl empfohlen wurde, ein richtiges verwunschenes Schlößchen erstellt. in diesem werden die Herrschaften wie Kurgäste verpflegt und verwahrt. Alle Tagessorgen sind ihnen abgenommen. Damit íhnen auch kein Fassadenkletterer nächtlich eine Überraschung bereiten kann, um ihnen etwa den auf den Nachttisch abgelegten Schmuck zu rauben, sind ihre Salonfenster mit raffiniert gewebten Gardinen versehen, die ein Einsteigen mindestens nicht zum Vergnügen machen.

Der Nordpol hat auch große Chancen für eine Verbreiterung und Bevölkerungszunahme. Da seine Autotankstellen heute schon zahlreicher sind, als die Hotels, kann eine gute Prognose für eine enorme industrielle Entwicklung gestellt werden. Ein großes Filmtheater gibt diesen Stadtteil eine kulturelle Note und es ist den Nordpolern hoch anzurechnen, daß zu ihren jeweiligen Vorführungen alle Stadtbewohner und auch Neugierige aus den um Bühl verstreuten Dörfern ohne Waffenkontrolle Zutritt haben. Auch nicht bei Gangsterfilmen. Leute, deren Herzenswunsch es ist, ebenfalls eine Erholungskur im "verwunschenen Schloß" verordnet zu bekommen, finden in amerikanischen Heldenfilmen ausführliche Anleitung über das, was sie vollbringen müssen, um in einen derartigen Genuß zu kommen. So hilf im Nordpol einer dem anderen zu einem vollbesetzten Haus.

An Fastnacht zeigt es sich, daß die Nordpoler keineswegs so eiskalt sind, wie es ihr Name vermuten läßt. Bei einem Versuch kann sich jeder überzeugen, daß sie nach einer entsprechenden geistigen Aufwärmung einer Narrenlaune zutage fördern können, an der "alles dran" ist.